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Geschichte

Vom Boden auf den Tisch

Früheste Quellen deuten darauf hin, dass das Billard im 12. und 13. Jahrhundert entstanden ist. Zu dieser Zeit waren noch alle Ballspiele sehr ähnlich aufgebaut und miteinander verwandt. Man unterschied zu dieser Zeit die Ballspiele in zwei Gattungen, das Hin- und Herspiel und die Treibspiele. Billard entstammt daher aus den Treibspielen. Am interessantesten für die Billardgeschichte scheint das Mailspiel zu sein. Bei diesem wurde ein Ball am Boden mit einem kleinen Holzhammer getrieben. Aus diesem Spiel dürften sich dann Kricket, Krocket, Golf, Hockey und Billard entwickelt haben. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde dann eine weitere Variante – das Billard – in den Räumlichkeiten des Adels gespielt. Die Erfindung dieses Spiels kann man allerdings nicht eindeutig einem Land zusprechen – dennoch deuten einige Hinweise auf England als Herkunftsland. Durch den regen kulturellen Austausch in der Frührenaissance fand die Verbreitung in den höfischen Kreisen schnell statt.

Ludwig XIV. beim Billardspiel, Schloss Versailles, 1694

Im 16. Jahrhundert verbreitete sich das Billard und wurde auch in den Ballhäusern (Wien: Ballhausplatz), die den Universitäten angegliedert waren, ausgeübt. Zu dieser Zeit war das Billard immer noch ein Spiel des Adels und des oberen Soldatenstandes. Mit dem stärker aufkommendem Bürgertum verbreitete sich das Billard auch in anderen Schichten.
Im 17. und 18. Jahrhundert zwischen Aufklärung und Absolutismus, einem Zeitalter von Kämpfen, durchlebte das Billardspiel ein wechselvolles Schicksal. Zu jener Zeit wurde das Billardspielen von vielen Dekreten, Erlässen und Circularen stark eingeschränkt, verboten oder auch mit Sondersteuern belegt, je nach belieben der Machthaber.

billard

Als Geburtsstunde des modernen Billards bezeichnet man das Jahr 1807, als der Franzose Mingaud eine Lederkappe auf seinen Spielstock klebte und somit das Queue erfunden hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es nur Zentralstöße ohne Effetgabe, geschweige denn Rück- und Nachläufer. Die neuen Effekte, die nun möglich waren, faszinierten dermaßen, dass das Billard einen neuen Aufschwung erlebte.

Tübinger Studenten beim Billardspiel im frühen 19. Jahrhundert

Die ersten Meisterspieler kamen aus Paris und legten den Grundstock für weitere Entwicklungen. In England wurden als erstes die genauen Regeln aufgestellt und im Jahresrhythmus Meisterschaften abgehalten. Die ersten richtigen Turniere wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, meist in Form von Herausforderungen, ausgetragen.

Billardturnier (Quelle Poolsharks Bruchsal)

Als Vater des Stellungsspiels wird der Franzose Romain angesehen. 1860 machte der 1836 geborene Franzose Mangin in Vichy
mit 108 Punkten die erste Hunderterserie, später gelang ihm noch eine Serie von 724 Punkten ohne die heute gespielte amerikanische Serie.
1873 wurde die erste WM der Berufsspieler abgehalten. 1876 war es dann soweit. Die zwei kanadischen Brüder Dion und der US-Profi Sexton führten erstmals die amerikanische Serie vor. Nach bereits 4 Jahren vervollkommnte der Franzose Vignaux dieses Serienspiel und kam damit als erster auf eine Serie von 1103 Punkten. Der Amerikaner Slosson konterte darauf sofort mit 1531 Punkten.

Billardspiel in Frankreich Ende des 19. Jahrhunderts

Um 1900 bildeten sich die ersten Verbände, die streng zwischen Profis und Amateuren unterschieden. 1903 wurde das erste Mal unter Führung der Franzosen eine Billard Weltmeisterschaft der Amateure abgehalten und 1912 noch der Weltbillardverband gegründet. Leider wurde dieser 1914 wegen des Ausbrechens des ersten Weltkrieges wieder eingestellt. Der Moderne organisierte Billardsport begann erst wieder 1923 mit der Gründung des neuen Weltbillardverbandes. Seit dem werden regelmäßig Weltmeisterschaften abgehalten. Den größten Rückschlag erlitt das Billard durch den zweiten Weltkrieg, den Verlust von Millionen Menschen im Zeitraum von 25 Jahren und eine totale Hinwendung zur Technik.

Michael Phelan´s Billard Saloon

Heutzutage hat das Billard wieder an Ansehen gewonnen und seine Stelle in der Gesellschaft eingenommen. Über Schulen, Universitäten und Jugendorganisationen wird auch für Nachwuchs gesorgt.

Zeittafel

1807 Der Franzose Mingaud erfindet das Queueleder und leitet damit eine Revolution im Billardspiel ein.
1818 Das Bekreiden der Queuespitze mit einem eigens für diesen Zweck hergestelltem Würfel wird erwähnt. Das Aufrauen wurde vordem meist im Verputz der Wände vorgenommen.
1820 Dem Szamborer Bürger Emanuel Scholz wird im österreichischen Steyr das Patent zur Kunststoffballerzeugung erteilt.
1826 Das erste Billard mit Schieferplatte wird in England gebaut
1835 Die Bande aus Naturkautschuk wird eingeführt und verdrängt die mit elastischen Materialien, wie Tierhaut, Rosshaar und Tuchstreifen, sowie gefüllte Stopfbande.
Im gleichen Jahr erscheint in Paris das Buch „Theorie mathematique des Effets du jeu billard“ des berühmten französischen Mathematikers Gaspard Gustave Coriolis.
1845 Durch Vulkanisieren des Gummis wird die Bande temperatur-unabhängiger.
1865 Auf seinen Reisen rund um die Welt besuchte der Franzose Pierre Carme auch New York. Der aus Paris stammende Billardmeister war maßgeblich für die Einführung und Verbreitung des Carambolspiels in Japan, Mittel und Südamerika verantwortlich.
1878 Leon Magnus aus den USA gewinnt in Saint Louis/Missouri das erste Dreiband Turnier der Welt.
1883 In Chicago wird das erste Cadre. Turnier gespielt. Die Cadrelinien werden im Abstand von 20 cm von den Banden eingezeichnet. Sieger wird Jake Schaefer mit 23.23 Generaldurchschnitt. Zur Finalpartie erscheinen mehr als 3000 Zuseher.
1903 Die erste Amateur-Weltmeisterschaft wird in Paris durchgeführt. Die Spielart ist das damals noch dominierende Cadre 45/2, Sieger Rerolle erzielt 15.91 Generaldurchschnitt.
1925 Jake Schaefers Sohn beendet eine Cadre-Weltmeisterschaftspartie gegen Hagenlocher auf 400 Points mit Elfenbeinbällen in einer einzigen Aufnahme.
1937 In England zeigt das Fernsehen erstmals eine Billardpartie – Joe Davis gegen Tom Newman.

Quelle: Heinrich Weingartner und Wikipedia